Duale Studiengänge sind in Bayern gefragter denn je.Bereits 2500 Studenten absolvieren zeitgleich eine Lehre in einem BetriebVerhärtete Fronten zwischen Studenten und Kultusministerium, nicht enden wollende Streiks an Bayerns Universitäten und wenig Aussicht auf schnelle oder tragfähige Kompromisse: So zerrüttet zeigt sich Bayerns Hochschullandschaft derzeit.Dabei zeigen die sogenannten dualen Studiengänge, wie sich berufsorientiert und trotzdem rasch studieren lässt. Die Kombination aus klassischem Lehrberuf plus Fachhochschulstudium floriert seit der Einführung in Bayern 2006 - gleichwohl sie den dual Studierenden in ihrer Doppelrolle als Lehrling und Student viel Durchhaltevermögen und genaue Zeiteinteilung abverlangt.Dennoch kommen die Hochschulen für Angewandte Wissenschaften, wie die Fachhochschulen inzwischen heißen, mit ihrem Angebot von bayernweit 190 dualen Studiengängen bei Abiturienten und ihren späteren Arbeitgebern, den Firmen, immer besser an.
Verhärtete Fronten zwischen Studenten und Kultusministerium, nicht enden wollende Streiks an Bayerns Universitäten und wenig Aussicht auf schnelle oder tragfähige Kompromisse: So zerrüttet zeigt sich Bayerns Hochschullandschaft derzeit. Dabei zeigen die sogenannten dualen Studiengänge, wie sich berufsorientiert und trotzdem rasch studieren lässt. Die Kombination aus klassischem Lehrberuf plus Fachhochschulstudium floriert seit der Einführung in Bayern 2006 - gleichwohl sie den dual Studierenden in ihrer Doppelrolle als Lehrling und Student viel Durchhaltevermögen und genaue Zeiteinteilung abverlangt.
Dennoch kommen die Hochschulen für Angewandte Wissenschaften, wie die Fachhochschulen inzwischen heißen, mit ihrem Angebot von bayernweit 190 dualen Studiengängen bei Abiturienten und ihren späteren Arbeitgebern, den Firmen, immer besser an. Und sie füllen eine Nische, die ausgehend von den technischen Berufen immer breiter wird.
Zwischen Lehrwerkstatt und Hörsaal zu pendeln und damit den Brückenschlag zwischen Hochschul- und Fachwissen zu meistern ist heute bereits Alltag für etwa 2500 Studenten im Freistaat. Ihre Zahl hat sich seit 2006 mehr als vervierfacht. Sie können aus Kooperationen mit rund 400 Firmen wählen. Allein zum Start des Wintersemesters am 1. Oktober sind 40 neue Studiengänge hinzugekommen.
Angeboten werden in Bayern zwei Varianten des Modells: Das "Verbundstudium" startet mit der Lehre. Nach drei bis 14 Monaten kommt das ganz normale FH-Studium hinzu, das mit Diplom- oder Bachelor-Abschluss endet. Das "Studium mit vertiefter Praxis" dagegen beginnt mit dem Studium und ergänzt es mit Praxiserfahrung im Betrieb, meist vom ersten bis vierten Semester. Diplom oder Bachelor sind das Ziel.
Die Verbindung aus Praxisbezug der akademischen Ausbildung und frühem Kontakt zur Wirtschaft hat auch Fabian Stockner überzeugt. Der 22-Jährige kombiniert eine Lehre zum Industriemechaniker beim niederbayerischen Hersteller von Heizkörpern und Duschabtrennungen Kermi mit einem Maschinenbaustudium in Deggendorf.
Die Fachkräfte von morgen eignen sich sowohl im Betriebsalltag als auch an der Hochschule Wissen an. Sie verdienen von Anfang an Geld und können - zumindest im "Verbundstudium" - gleich zwei anerkannte Abschlüsse erwerben: das IHK-Diplom sowie den internationalen Titel "Bachelor of Engineering/Science" oder das bisherige Diplom. Die kooperierenden Firmen profitieren, weil sie künftige Leistungsträger frühzeitig kennenlernen und an sich binden.
Außerdem verfügen die jungen Leute schon nach drei- bis viereinhalb Jahren über doppeltes Fachwissen. Entscheidend in Zeiten des demografischen Wandels. Denn die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft rechnet in den nächsten zehn Jahren mit bis zu 700 000 Menschen, die dem Arbeitsmarkt fehlen werden - insbesondere Akademiker und Facharbeiter. Daran ändert auch die gegenwärtige Wirtschaftskrise nichts.
Der Geschäftsführer von Kermi lobt denn auch das Studienmodell: "Zum einen verkürzen wir aufwendige Einarbeitungsphasen", sagt Knut Bartsch. "Zum anderen steigt unsere Attraktivität als Ausbildungsbetrieb und Arbeitgeber, besonders bei Gymnasiasten." Die Firmen zahlen die reguläre Ausbildungsvergütung, häufig auch etwas mehr, und übernehmen meist auch die Studiengebühren. Nach erfolgreichem Abschluss hat der Nachwuchs nach Maß beste Job- und Aufstiegschancen. "Wir wollen derart gut ausgebildete akademische Fachkräfte natürlich in der Region halten", sagt Bartsch.
Das kommt Fabian Stockner entgegen: "Ich möchte in meiner Heimat bleiben und auch hier arbeiten. Da ist das Verbundstudium bei Kermi ideal." Der Niederbayer aus Landau an der Isar denkt außerdem voraus: "Ich lerne schon heute viele Abteilungen kennen."
Mehr Verzahnung sieht auch Andrea Stertz vom Bundesinstitut für Berufsbildung in Bonn als klaren Trend: "Wenn Fortbildungen oder zumindest Teile davon im Berufsbild anerkannt werden, trägt das zur Durchlässigkeit zwischen Berufs- und Hochschulbildung bei."
Das hat man auch in Bayern erkannt. Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP), der selbst eine Banklehre machte, ehe er Betriebswirtschaft und Zahnmedizin studierte, gibt das Ziel vor: "Im Verhältnis wollen wir den Anteil der Studienanfänger an Fachhochschulen spürbar steigern: von derzeit gut einem Drittel auf 40 Prozent." Planungen laufen für 38 000 neue Studienplätze, die bis 2011 je zur Hälfte an Universitäten und FHs entstehen sollen. Dann werden sich die bereits bestehenden Engpässe noch verschärfen, da durch das G 8 ein doppelter Abiturientenjahrgang anrollt.
Bayerns Hochschulen öffnen sich schrittweise: So können seit Kurzem Facharbeiter und Meister unter bestimmten Voraussetzungen an FHs und Unis ihren Ausbildungsberuf vertiefen oder sogar frei ihr Studienfach wählen.
Auch viele Firmen reagieren flexibler. Weil bei Kermi das Pilotprojekt mit Stockner so gut läuft, hat Ausbildungsleiterin Ursula Geßl schon die zweite "duale Nachwuchskraft" begrüßt: Seit Juli arbeitet Melanie Bednara an ihrem Titel "Industriemechanikerin und Maschinenbau-Ingenieurin (FH)".
Geßl freut sich über die neue "Stuzubine", wie sie die "Studentin und Azubine" nennt: "Sie hat sich schon hervorragend eingelebt. Und steht exemplarisch für die Frauen, die da kommen werden: hoch motiviert, mit technischer und sogar doppelter Qualifikation."
Quelle: www.welt-online.de vom 29.11.2009 (Eva Schröder)



